Fructosearme Kumquat Financiers mit schwarzem Sesam und Hanfmehl

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Backen / Fructosedingens

Als Fructose Intoleranzler hat man weitestgehend nicht viel zu lachen da draußen. Wo andere sich fröhlich in Cafés tummeln (können), munter Eis essen und eine Kuchenauswahl genießen (können), von der wir nur träumen (können), gibt es für uns auf dem Café-Kuchen-Markt da draußen: gähnende Leere und davon sogar reichlich. Nüscht, außer im besten Falle schnurztrockene Kekse, die einem reibeisenmäßig die Speiseröhre runterrattern. Aber die gibt es auch nicht in Cafés, die tragen wir uns unseren Taschen mit uns herum. Bitte. Danke.

So ganz verstehe ich das ja nicht, denn es gibt doch mittlerweile eine ganze Handvoll unglaublich toller Blogs, die beweisen, dass es eben doch mehr gibt als das, was man uns an geschmacksneutraler Pappe zu teuren Preisen verkaufen möchte. Dass es eben doch bunter, geschmacksintensiver geht und dass „normale“ Rezepte nicht so unglaublich schwer in eine für uns verträgliche Form abzuwandeln sind. Es ist möglich, wie ihr seht, auch wenn man dafür eine Handvoll Geduld, eine Prise Neugierde und mehrere Messerspitzen Experimentierfreude braucht.

Als Betroffener – das klingt immer so furchtbar – kann man aber meiner Meinung nach durchaus auch mal auf die Kacke hauen und das nicht zu knapp. Denn wir mögen zwar nicht konsequenzenlos mit tonnenweise Ananas, Äpfeln und Birnen um uns werfen können, aber wir können trotzdem richtig geile Kuchen backen. Solche, auf die dann nämlich auch mal andere neidisch sein und sabbernd rüberschielen dürfen. Jawohl, ja! Deshalb gibt es heute: Financiers mit lauter abgefahrenen, gesunden und tollen Zutaten. So!

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Habt ihr schonmal mit Hanfmehl gebacken? Nein? Da seid ihr nicht allein. Ich habe das jetzt auch zum ersten Mal gemacht, doch meine Begeisterung für dieses feine Mehl ist nachhaltig. Ich benutze es derzeit sehr gerne in meinem allmorgendlichen Joghurt oder pimpe mit einem Teelöffel davon meine Overnight-Dinkelflocken. Dazu dann noch etwas Vanille und/oder geschälte Hanfsamen und der Tag kann kommen.

Das Mehl hat – logischerweise – eine dunkelgrüne, sehr interessante Farbe und schmeckt leicht nussig. Zudem ist Hanfmehl sehr gesund, es enthält viele Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe und gibt ebenfalls eine tolle pflanzliche Eiweißquelle ab.

Seid ihr überzeugt? Dann versucht euch doch mal daran, noch gibt es Zitrusfrüchte und sie sind so ein hübscher, ungewöhnlicher Farbtupfer auf der Kaffeetafel. Wenn ihr euch mit dem Hanfmehl nicht anfreunden mögt, dann ersetzt es einfach mit mehr Dinkelmehl oder was immer euch an Mehl beliebt.

Zutaten für 12 Küchlein:

50g schwarzer Sesam

40g gemahlene Mandeln

50g Dinkelmehl

40g Hanfmehl

1 Prise Salz

170g Butter

1 Vanilleschote

3 Kardamomkapseln

90g Sukrin Gold (oder Getreidezucker) + etwas mehr zum drüber streuen

1 TL Backpulver

5 Eiweiß (L)

100-150g Kumquats

Funktioniert so:

1. Ein Muffinblech mit Papierförmchen auslegen. Vanilleschote halbieren, Vanillemark auskratzen und mit der Butter in einem kleinen Topf auf mittlerer Flamme erhitzen bis sie schäumt und eine goldene Farbe bekommt. Das dauert 5-10 Minuten. Währenddessen den schwarzen Sesam gut im Mörser bearbeiten; wer mag kann ihn für ein intensiveres Aroma vorher noch kurz in einer Pfanne anrösten. Die Vanillebutter abkühlen lassen und die Vanilleschote entfernen.

2. Die Kumquats heiß waschen und mit einem scharfen Messer in Scheiben schneiden, dabei mögliche Kerne sofort entfernen. Für jedes Küchlein solltet ihr 4-6 Scheiben haben. Die Kardamomkapseln aufbrechen und die Samen ebenfalls kurz im Mörser bearbeiten, das gibt ein schöneres Aroma.

3. Die trockenen Zutaten in einer Rührschüssel gut vermischen. Die (ungeschlagenen!) Eiweiße mit einem Handmixer sehr gut unterarbeiten bis ihr einen geschmeidigen, glänzenden Teig habt. Zuletzt die geschmolzene Vanillebutter zugeben und unterarbeiten bis sie sich gut mit dem Teig verbunden hat.

4. Den Teig auf die Muffinförmchen verteilen und darauf achten, dass ihr sie höchstens zu 2/3 füllt. Auf jedes Küchlein 4-6 Kumquatscheiben geben und leicht andrücken, die Scheibchen mit Sukrin oder Getreidezucker bestreuen, damit sie beim Backen nicht austrocknen, und über jedes noch ein paar schwarze Sesamsamen geben.

5. Die Financiers ca. 35 Minuten bei 180 Grad auf mittlerer Schiene backen und anhand der Stäbchenprobe prüfen ob kein Teig mehr daran haften bleibt. Anschließend aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

Die Schritte und relativ vielen einzelnen Zutaten hören sich zunächst viel an, aber diese Financiers sind wirklich nicht schwer zu machen und machen dafür aber viel her. Zudem sind sie so lecker, dass es niemals bei nur einem bleiben wird, das verspreche ich! Mein Freund konnte die Finger jedenfalls genauso wenig von ihnen lassen wie ich und das will schon etwas heißen.

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Was ich an dieser Stelle unbedingt noch loswerden wollte, ist folgendes: habt mehr Mut zu weißen, schnurz piep normalen Backförmchen! Ich weiß, ihr besitzt mindestens genauso viele verschiedene, unter anderem von euch selbst unter Artenschutz gestellte Spezies davon wie ich – so an die 358435.000? – in euren Schränken.

In rot, grün, lila, weiß mit Pünktchen, rosa mit Pünktchen, Streifen, Zwergen, Hasen, Sternchen, Kuhflecken, Zebrastreifen, Herzchen in rot, schwarz und rosa, mit Gesicht, ohne Gesicht, mit Katzen, ohne Katzen, Blümchen, in und ohne Metallic-Optik, mit Karos, Äpfeln, Dinosauriern, Bordüren, Vögelchen, Blümchen und sonstigem Kram. ABER manchmal darf es auch einfach eine stinknormale weiße Papierform sein. Ohne nix drauf. Sieht doch schön aus, nicht? Geht auch ganz einfach und tut nicht weh. Versprochen. Es wird auch niemand deshalb diskriminiert, hoffe ich?

Also ab an die Sesamvorräte und genießt diese herrlichen, fructosearmen, ungewöhnlichen Küchlein. Am besten direkt in der Sonne bei einem Tässchen Tee und in guter Gesellschaft. Das Rezept für die ursprünglich nicht fructosearmen Financiers stammt im Original von The Bojon Gourmet und findet ihr hier.

Falls ihr die also ganz normal, ohne Hanfmehl, Kardamom und Co. haben wollt, springt am besten dort rüber. Hier wird dann demnächst wieder mit schwarzem Sesam und sogar mit Sepiatinte gebacken, habt ihr das schonmal probiert? Ich bin sehr gespannt und ihr dürft das auch sein.

Bis zum nächsten Mal, habt es fein und haut rein,

eure Sonja

Küchensoundtrack: Portishead – Mysterons

8 Comments

  1. Ich habe diese kleinen Beauties ja bei Facebook schon das ein oder andere Mal angeschmachtet, aber hier auch noch mal: Die Financiers sehen einfach himmlisch aus! <3 Auch wenn ich den Begriff Financiers davor noch gar nicht kannte…
    Ein Hoch auf diese köstlichen, fructosearmen Glücklichmacher :)
    Liebe Grüße zu dir, Mia

  2. total köstlich! ich hab die auch schon vor längerem bei the bonjon gourmet gesehen und mich direkt in die optik verliebt. und mit kumquats – bestimmt hervorragend ♡
    alles liebe
    nadin

    • Liebe Nadin,

      so ging es mir auch, denn die sahen einfach klasse aus! Mit schwarzem Sesam wollte ich schon lange backen, Judith von Schokohimmel hat da ja gerade auch so einen köstlichen Kuchen damit gemacht.

      Liebe Grüße
      Sonja

  3. Das klingt echt interessant und außergewöhnlich. Das Rezept wird auf jeden Fall gespeichert und vielleicht mal zu Ostern in die Tat umgesetzt.
    Liebe Grüße & vielen Dank für die immer so leckeren, fruktosearmen Schlemmereien! :)
    Frau Fofftein

    • Liebe Frau Fofftein,

      auf die Ostertafel passt das natürlich auch ganz gut. Bitte berichte doch mal wie sie dir geschmeckt haben, wenn du sie ausprobiert hast. :)

      Liebe Grüße
      Sonja

  4. lenasfoodforfriends says

    Haha liebe Sonja, tatsächlich, ja man sollte auch mal weiße Papierförmchen benutzten. Bei mir ist das immer noch puristischer, ich schneide einfach Backpapier zurecht und stopfe es in die Muffinform. So hab ich nur eine Rolle und nicht viele verschiedene Päckchen mit Zeug rumliegen. :)
    Liebe Grüße,
    Lena

    • Liebe Lena,

      das ist auch eine super Idee, die ich bei Gelegenheit anwenden werde. Allerdings bin ich auch froh, wenn der Förmchenvorrat mal etwas kleiner wird, ich habe echt viel zu viele Papierförmchen.

      Liebe Grüße
      Sonja

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