Stuttgart Vier mal 3 – Frühjahrsedition: Rhabarber Tartelettes mit Spinat, Zucchini-Knusper und Erdbeerkompott!

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Backen / Fructosedingens

Willkommen zu einer neuen Runde „Abgedrehte Kuchen, die du dir in deinen kühnsten Träumen nicht vorstellen würdest“! Es geht weiter mit der Frühjahrsedition von Stuttgart Vier mal 3, der gemeinsamen Blogaktion von Anja Alltagssterne, Judy von Judy´s Delight und mir oder auch, den drei Verrückten, die unmöglich anmutende Kombinationen für sich entdeckt haben.

Stuttgart Vier mal 3 erscheint alle drei Monate zeitgleich auf unseren Blogs. Wir kochen und backen jede allein für sich und für die jeweils anderen bis zum Schluss streng geheim vor sich hin. Welche Zutaten wählt Judy wohl aus? Bereitet Anja ein Vorspeise, ein Hauptgericht oder ein Dessert zu? Ich habe nicht die reinste Ahnung.

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Das Ganze geschieht anhand einer saisonal und möglichst regional ausgerichteten, ganz analog gemeinsam erstellten Liste an Obst- und Gemüsesorten. Vier davon sollen in einem Rezept unterkommen. Klingt einfach, isses aber nicht unbedingt. Vor allem für mich als Backblogger ist das Tätigkeitsfeld schon recht begrenzt und hat mich diesmal wirklich ins Schwitzen kommen lassen.

Genau drei Monate sind vergangen seit unserem Auftakt und meinem SüßKartoffelkuchen und es kommt mir beinahe so vor als wäre es erst gestern gewesen. Wahnsinn, wie die Zeit rennt. Das Datum hatte ich zwar immer vor Augen, doch ich bin einfach nicht von der Muse geküsst worden und wusste bis vorgestern nicht so recht in welche Richtung es diesmal kuchentechnisch bei mir gehen sollte. Ich lasse euch mal einen Blick auf unsere Frühjahrs-Zutatenliste werfen, damit ihr ein bisschen besser versteht, was die Schwierigkeit war:

Rhabarber

Bärlauch

Spargel

Lauch

Spinat

Erdbeeren

Champignons

Zucchini

JACKPOT! Ich weiß nur nicht für wen?!

Der Frühling ist zwar da und es kommt zweifelsohne immer mehr frisches Obst und Gemüse aus der Region auf den Markt, doch das erleichtert die Entscheidung für vier bestimmte Zutaten keineswegs. Unsere zur Auswahl stehenden leider auch nicht, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Entschieden habe ich mich für Erdbeeren, Rhabarber, Spinat und getrocknete Zucchini.

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Was zum Geier sollte ich daraus nur machen? Nun, ich hätte theoretisch ein Zucchini-Spinatbrot mit Erdbeer-Rhabarber Konfitüre machen können. Hätte. Können. Ein bisschen mehr wollte ich aus der Sache dann aber doch herauskitzeln. Mit einem Brot und so einfach wollte ich mich nicht aus der Affäre ziehen. Da musste noch mehr gehen!

Vor gefühlten 32858701 Jahren hatte ich zusammen mit Miss Blueberrymuffin und Sonja vom Zauberhaften Küchenvergnügen in Dortmund bereits ein sehr leckeres Törtchen mit Spinat im Biskuit und einer leichten Zitronencreme gegessen. Das Obst stand natürlich sofort fest, denn was passt im Frühling besser zusammen als Erdbeeren und Rhabarber? Bärlauch und Spargel? Ein Törtchen mit Knoblaucharoma gefällig? Ja?

Spinat und Zucchini sind die einzigen Gemüsesorten unter den jetzigen Protagonisten, die meinem Obst einen geschmacklich dezenten Rahmen bieten konnten, so dass die – sagen wir mal – „Chicks“ unter den obigen Zutaten voll im Mittelpunkt stehen können. Aber was zur Hölle sollte ich damit anstellen, wie das alles stimmig unter einen Hut bekommen? Wie es auch für das Auge schön gestalten? Wie es ansprechend und hübsch aussehen lassen und nicht gemüsig überladen? Wie das Ganze harmonisch zusammenführen und, was am allerwichtigsten ist, das Gesamtwerk letztlich gut schmecken lassen? Nicht. Allzu. Einfach.

Mein erster Kuchen war dermaßen irritierend für das Auge, dass ich es nicht über mich gebracht hätte meinen Spinat-Cheesecake mit Zucchini-Knusperboden hier auf den Blog zu stellen. Obwohl er sehr lecker schmeckt! Das Problem daran war nur, dass er schlichtweg wie eine herzhafte Quiche mit Schnittlauch aussah. Kennt ihr das, wenn Geschmack und Aussehen so vollkommen voneinander abweichen, dass euer Kopf einfach nicht damit klar kommt?

Für den Fall, dass dieses Experiment nicht so klappen sollte, wie ich mir das vorstellte, hatte ich mir die Zutaten extra noch doppelt gekauft ehe ich am Ende ohne da stehe. Man weiß ja nie. Und immer dann, wenn nichts schief gehen darf/soll, geht natürlich am allermeisten schief. Ihr kennt das.

Wegen der Arbeit wusste ich schon, dass es so oder so auf eine Nachtschicht hinauslaufen würde, aber dass ich um 0:30 Uhr mit einem fertigen Kuchen dastehen würde, auf den ich einfach nicht klar komme, hat mir kurz die Panik ins Gesicht geschrieben. Viel Zeit war nicht mehr und eine Kreation musste unbedingt her. Auf keinen Fall wollte ich mich von diesem Kuchen und vor dieser Herausforderung unterbuttern lassen.

Im hinterletzten Eck schlummerte da noch die Idee von Mürbteig-Tartelettes, aber das Zucchini-Unterbringungs-Problem hatte ich noch immer nicht gelöst. Bis es mir dann um 1 Uhr morgens wie Schuppen von den Augen fiel. Ich brauchte einen Rahmen für den Rhabarber und zum Törtchen mache ich mein heiß geliebtes Erdbeerkompott!

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Okay Sherlock, dann packen wir die getrockneten Zucchini in Streusel (was für mich insofern total neu ist, als dass ich einfach keine große Streuselfreundin bin) und den Spinat dann in den Mürbteig! Gut, das könnte klappen. Ich fing also an zu kneten und zu beten, es musste einfach klappen und es musste einfach lecker schmecken. Vor allem musste es diesmal auch fructosearm werden. Kann nicht sein, dass das nicht klappt.

Und es klappte! Am Rande des Wahnsinns hätte ich sonst auch für nichts garantieren können. Es gab einfach keine andere Option. Ich kochte dann direkt um  halb 3 in der Frühe noch das Kompott, beseitigte das schlimmste Chaos und warf mich um 3 Uhr morgens ins Bett.

Das schlimmste war jedoch, dass ich mit dem Probieren warten musste bis die Fotos gestern früh im Kasten waren… Ich hatte ja nur vier Tartelettes und brauchte potentiell alle vier für die Fotos. Das ist wirklich Käse. Hartes Foodblogger Leben. Ein Glück hat es sich gelohnt und jetzt kann ich sehr zufrieden und geschafft sagen:

JA, es ist möglich aus Rhabarber, Zucchini, Erdbeeren und Spinat ein äußerst leckeres Törtchen hinzubekommen!

Zutaten für vier Tartelettes á 13cm:

Teig:

250g Mehl

125g kalte Butter, gewürfelt

70g Getreidezucker

1 Ei

Handvoll Spinat (gewaschen und in der Küchenmaschine zerkleinert)

Streusel:

10g getrocknete Zucchinischeiben (z.B. von PÄX)

50g Mehl

30g weiche Butter

25g Getreidezucker

Msp. gemahlene Vanille

Füllmasse:

4 mitteldicke Stangen Himbeer-Rhabarber (den müsst ihr nicht schälen)

4 EL Getreidezucker

50g weiche Butter

90g Getreidezucker

Prise Salz

1 Ei

1 1/2 TL Backpulver

90g Mehl

Erdbeerkompott:

500g Erdbeeren

4 EL Getreidezucker

Saft einer halben Limette

Vanilleschote

  1. Für den Mürbteig Mehl, Zucker und Butter miteinander verkrümeln. Das Ei hinzugeben und zu einem geschmeidigen Teig kneten, zuletzt den gehäckselten Spinat unterkneten. Den Teig evtl. kurz in den Kühlschrank stellen.
  2. Die getrockneten Zucchinischeiben mit dem Nudelholz verkloppen bis sie sich freiwillig (ver)krümeln. Dann alle Zutaten miteinander zerkrümeln und beiseite stellen.
  3. Zuerst den Rhabarber waschen und in Scheibchen schneiden. Wenn ihr Himbeer-Rhabarber habt, dann müsst ihr ihn nicht schälen. Falls ihr normalen Rhabarber nehmt, empfiehlt sich das unbedingt. Den Rhabarber zusammen mit vier Esslöffeln Getreidezucker vermischen und zum Saft ziehen beiseite stellen
  4. Butter, Zucker und Prise Salz mit dem Handmixer verrühren, dann das Ei hinzugeben und unterarbeiten. Mehl und Backpulver mischen und ebenfalls unter den Teig ziehen. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.
  5. Die Tartelette-Förmchen buttern und mit dem Mürbteig auskleiden. Ist er nicht willig, drückt ihr ihn einfach hinein. Jetzt die Füllmasse gleichmäßig auf die Förmchen aufteilen und verstreichen. Die Rhabarberstückchen darauf verteilen und zuletzt die Streusel darauf geben. Da ich, wie schon erwähnt, keine riesige Streuseltante bin, habe ich nicht die gesamte Streuselmenge verbraucht. Das könnt ihr aber handhaben wie ihr mögt.
  6. Die Tartelettes auf der mittleren Schiene ca. 25 Minuten backen, dann den Ofen ausschalten und einen Spalt weit offen lassen. Die Küchlein langsam kalt werden lassen. FERTIG!
  7. Die Erdbeeren waschen, putzen und das Grün entfernen. Zusammen mit dem Getreidezucker in einen Topf geben und sanft erwärmen. Nach etwa 5 Minuten sollten die Beeren schon etwas Saft gelassen haben. Weitere 5 Minuten köcheln lassen und anschließend mit einer Gabel zerdrücken. Das Kompott weitere 15 Minuten sirupartig einköcheln lassen, dann entweder in ein sterilisiertes Glas oder eine Tupperdose umfüllen. Das Kompott esse ich auch gerne morgens im Naturjoghurt, schmeckt tausendmal besser als fertiger Erdbeerjoghurt!

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Entschuldigt heute so viel Text, aber erstens erfolgt das ganze aus Gründen und zweitens hat sich die letzten Wochen auch ganz schön viel Text in mir angestaut und der muss raus.

Das beste an diesen Küchlein ist, und sie wurden gestern bei der Gitarrensession im Schlosspark mit Freunden allgemein abgenickt, dass ihr sie selbstverständlich auch mit ganz normalem Haushaltszucker und auch ohne Spinat und ohne Knusperzucchini zubereiten könnt. Alltagstauglichkeit ist schließlich immer ein wichtiger Faktor und nicht jeder hat Bock auf ausgefallene Extra-Ingredienzen. Versteh ich total gut.

Aber wisst ihr was? Letztendlich ist es dann komplett mit mir durchgegangen: aus den „Erdbeerabfällen“, also den zuvor absolut brutal abgetrennten Köpfen und dem Grün der Erdbeeren habe ich auch noch einen Tee zubereitet. Und ihr könnt das ebenfalls, wenn ihr es ebenso schön findet, am besten alles von einer Frucht zu verwerten.

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Wie das geht? As easy as this:

Grün und evtl. noch daran hängendes Fruchtfleisch auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech bei 120 Grad 50 Minuten trocknen. Fertig ist der Erdbeerblätter Tee! Anschließend in einem hübschen Weckglas aufbewahren oder sich zum Kuchen gleich einen Tee aufbrühen.

Kleiner Tipp: Ich empfehle noch etwas Fruchtfleisch am Grün zu lassen und es so zu trocknen. Das gibt dann noch etwas mehr Erdbeeraroma.

So, das reicht dann nun aber mit der Experimentalküche für heute oder vielleicht auch direkt für diesen Monat. Man soll es ja nicht immer gleich übertreiben, hab ich gehört. Man soll auch mal die Füße still halten, hab ich gehört. Wobei… das geht nicht, denn mich interessiert ja brennend was Judy und Anja aus unseren Frühjahrszutaten gezaubert haben!

Bis bald,  habt es gut!

Eure Sonja

Küchensoundtrack: Devendra Banhart – Baby

1 Kommentar

  1. Wow Sonja, ich komme gerade von Anja, die auch eine richtig abgefahrene Variante sich überlegt hat und dann packst du deine Tartlettes aus, die mit Spinat und Zucchini und mit Rhabarber sind. Da fällt mir nichts mehr ein :) war wirklich eine super Idee von Anja und ich bin schon auf die Sommeredition von uns allen gespannt ;-)
    LG Judy

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