Stuttgart Vier mal 3 – Sommeredition: Kartoffel-Käsekuchen mit Beerensößle!

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Backen / Fructosedingens

Im mich-kurz-fassen bin ich nicht die beste. Wäre „kurz und knackig schreiben“ eine olympische Disziplin, so wäre ich wohl eher auf einem der hinteren Plätze zu finden. Macht mir nix aus! In der Regel klappt das ja wunderbar, zum Beispiel bei Übersetzungen. Da kommt schriftlich labern eben einfach nicht so gut. Es geht um Fakten und Tatsachen. Es wird nix dazu gedichtet (oder weggelassen), das im Ausgangstext nicht auch vorkommt oder diesen im Zweifel mit Hilfe von Umschreibungen in der Zielsprache verständlicher macht. Alles für einen guten Text.

In allen anderen Fällen betreibe ich dagegen äußerst gerne Wort-Akrobatik. Wie ihr hier nur unschwer erkennen könnt. Ich benutze liebend gerne Wörter, die in Vergessenheit geraten sind. Ich sage und schreibe auch viel lieber „Käsekuchen“ statt „Cheesecake“. Käsekuchen ist nämlich ebenfalls eines dieser Wörter, die angesichts ihres hippen Gegenspielers irgendwie angestaubt sind. Zu Unrecht.

Ich spiele gerne mit Sprache(n). Vermutlich bin ich deshalb auch gar nicht so falsch angesiedelt in meiner neuen (und nebenbei ultra spannenden!) Aufgabe als fest angestellte Redakteurin. Etwas, das ich mittlerweile nur deshalb so richtig richtig popichtig glauben kann, weil ich meine ersten drei Arbeitstage diese Woche hinter mich gebracht habe. Ja, ich habe gestern schon mein Wochenende eingeläutet!

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Bislang war mit dem Kopf zu arbeiten eher etwas, das sich auf die mittlerweile leider nicht mehr ganz so häufig erscheinenden Blogartikel und meine Arbeit als Texterin für POIS beschränkte. Letzteres nahm mehrere Stunden die Woche ein. Meist immer dann, wenn mich die Muse küsste und die Finger mehr oder weniger von allein über die Tasten sprangen, weil der Kopf in dem Moment gerade sprudelte. Natürlich arbeitet man immer irgendwie mit dem Kopf, aber nun wird er auch beruflich so richtig zur Denkfabrik. Die Texte habe ich von Zuhause geschrieben. Es ist beglückend und praktisch, wenn man so arbeiten kann.

Beglückend und praktisch ist aber auch, in einem Büro mit tollen Kollegen in kreativer Umgebung sitzen und miteinander arbeiten zu können. Das Gefühl zu haben stets mit offenen Armen empfangen zu werden. Überhaupt die Tatsache, nette Menschen um sich haben zu können, bei denen du weißt, du kannst und sollst immer Fragen stellen. Die dir einen Rahmen zum Arbeiten zur Verfügung stellen und dir jederzeit nicht das Gefühl geben, dass du ihnen zur Last fällst. Das ist nicht selbstverständlich. Ich hatte auch schon Jobs, bei denen eher gegeneinander statt miteinander arbeiten an der Tagesordnung stand. Das braucht wirklich kein Mensch. Das macht auch wirklich so gar keinen Sinn! Und so funktioniert auch kein Magazin.

Die erste „Akrobatikstunde“ in Form meines ersten Artikels für das Magazin habe ich schon hinter mich gebracht und dabei nicht gerade in der genannten Disziplin „kurz und knackig“ glänzen können. Es sollte ein kurzer Artikel über eines der besten Sushi-Lokale weltweit werden! Oh, hi hohe Messlatte, bist du´s?!

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Wo eine große Herausforderung ist, da gibt es jedoch immer auch Wege sie zu bezwingen. Man steht sich dabei halt oft nur selbst im Weg. Für den Beitrag habe ich keine Anweisung oder Einweisung bekommen, ich habe einfach angefangen zu recherchieren und zu schreiben. Das ist für solch einen Lernprozess vermutlich auch die beste Herangehensweise. Einfach mal machen, Dinge auf deine Art angehen, einfach mal anfangen zu schreiben (oder zu backen oder…), das wird schon. Niemand landet beim ersten Mal einen Volltreffer! Die Perfektionistin in mir ist – zum Glück – längst entspannter geworden, weil es einfach nichts bringt sich selbst mit vermeintlich Idealem unter Druck zu setzen.

Der erste Entwurf des Artikels war natürlich weit davon entfernt perfekt zu sein und wisst ihr was? Das ist total okay, wenn du jemanden an der Hand hast, der an dich und deine Fähigkeiten glaubt und dir Raum und Zeit gibt, dich zu entwickeln. Es ist eben etwas gänzlich anderes für Leser von Printmedien zu schreiben als sein eigener Text-Herr auf dem Blog zu sein. Hier ist ja zum Glück reichlich Platz vorhanden.

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Perfekt ist im übrigen auch dieser Kuchen, wie man sieht, nicht und gänzlich unperfekt ist sogar, dass dieser Beitrag zu Stuttgart Vier mal 3 nun nicht am 17. August um 17 Uhr erscheint wie er eigentlich sollte, sondern erst heute, am 18. August um 17 Uhr. Einen Tag zu spät. Weil mein Zeitmanagement diesmal einfach für den Popinski war und der letzte Drücker nach meinen drei ersten Tagen in der Redaktion bereits für andere Tätigkeiten herhalten musste. Von den Bildern möchte ich gar nicht erst anfangen, die ersten waren ein Desaster… aber da isser wieder, der Perfektionismus und der Druck, den man sich selbst macht.

Lasst uns von perfekt Unperfektem kurz einen Schwenker zu den Zutaten machen, bevor das hier sonst wieder ausartet. Das waren nämlich unsere Zutaten für die Sommeredition:

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Stuttgart Vier mal 3 – die Sommerzutaten

Sehr ausgewogen und stimmig, trotzdem nicht ganz so einfach. Zumindest dann nicht, wenn man es sich nicht gänzlich leicht machen und kurzerhand einen Beeren-Blechkuchen backen will. Wollte ich auch nicht. Und auch keine Kartoffel-Mais Foccacia mit Brombeeren oder schon wieder einen Auberginenkuchen mit Beeren. Oder herzhafte Mais-Brombeer-Stachelbeer Scones. Oder…

Ich habe Kartoffeln, Brom- und Johannisbeeren gewählt und mich von einem meiner liebsten Backbücher inspirieren lassen und angelehnt an den Kartoffel-Cheesecake (da, schon wieder das C-Wort!) mit Preiselbeeren aus dem Buch „Kuchenwunder“ des Gräfe & Unzer Verlages, einen fructosearmen Kartoffel-Käsekuchen mit Beerensößle gemacht.

Wir befinden uns ja schließlich in Schwaben, da isst man Käskucha und keinen neumodischen Cheesecake-Schmarrn! Und das auch nicht mit Magerquark sondern mit voll fettem Quark, einfach weil man das hier kann und weil es sehr viel besser schmeckt. Käsekuchen mit Magerquark, das ist eines dieser Mysterien, welche sich mir wohl nie erschließen werden.

Zutaten für eine 18cm-Springform:

Boden:

60g fructosearme Zartbitterschokolade (z.B. von Frusano)

25g Butter

80g fructosearme Kekse (z.B. Dinkelbutterkekse von Frusano)

1 El Sesam (optional)

1 EL gepoppten Amaranth (optional)

Belag:

200g Kartoffeln, mehlig-kochend

400g Quark

100g Doppelrahm-Frischkäse

1 Msp. gemahlene Vanille

3 Eier

70g Getreidezucker (von Frusano)

1 EL Dinkelgrieß

Prise Salz

Saft und Schale einer unbehandelten Zitrone

Sößle:

ca. 300g Beeren (in meinem Fall Brombeeren und Johannisbeeren)

3 EL Getreidezucker

Saft einer unbehandelten Limette

etwas gemahlene Vanille

Funktioniert so:

  1. Die Kartoffeln schälen, waschen, würfeln und in Salzwasser gar kochen. Anschließend abgießen, kurz ausdampfen lassen und mit einer Gabel oder dem Kartoffelstampfer fein zerdrücken.
  2. Eine kleine Backform mit Backpapier auskleiden und die Ränder fetten. Schokolade hacken und mit der Butter über dem Wasserbad schmelzen. Die Kekse mit dem Nudelholz oder anderen Hilfsmitteln zerbröseln. Brösel, Sesam und Amaranth (beides kann auch weggelassen werden) mit der Schokolade vermengen, auf dem Boden verteilen und die Springform für etwa 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.
  3. Die Zitrone heiß abwaschen, mit einem Zestenreißer die Schale abreiben und den Saft auspressen. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.
  4. Frischkäse, Quark, Grieß, Zitronensaft und Schale, Getreidezucker, gemahlene Vanille und die Prise Salz in einer Rührschüssel einige Minuten mit dem Handmixer verrühren. Anschließend jedes Ei einzeln gut unterrühren. Zuletzt die zerdrückten Kartoffeln unter die Masse rühren und auf dem fest gewordenen Keksboden verteilen.
  5. Den Kuchen auf der mittleren Schiene 50-60 Minuten backen. Bitte nach 40 Minuten regelmäßig einen Blick in den Ofen werfen. Wird der Kuchen euch am Rand zu dunkel, deckt ihr ihn vorsichtig mit Alufolie ab. Ich mache auch bei Käsekuchen eine Stäbchenprobe. Wenn nur noch wenig Füllung daran haftet und er in der Mitte nicht mehr schwabbelt, ist er gut. Den Ofen ausschalten und den Kuchen bei leicht geöffneter Tür auskühlen lassen – gerne über Nacht.
  6. Für das Sößle die Beeren verlesen. Mit 3 EL Getreidezucker – oder nach Geschmack – und dem Saft einer Limette sowie etwas gemahlener Vanille in einen kleinen Topf geben und bei leichter Hitze 15-20 Minuten köcheln lassen. Wer mag, kann die Beeren anschließend noch durch ein Sieb passieren.

Der Kuchen schmeckt selbstverständlich auch ohne Sößle! Ich mag jedoch beide Varianten sehr gerne und finde es schön, wenn Gäste sich das selbst aussuchen können und man es mal so und dann wieder so machen kann. Zudem schmeckt die Beerensoße auch im Frühstücksjoghurt sehr lecker. Es lohnt sich also doppelt.

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Der Käsekuchen ist wunderbar cremig und man schmeckt die Kartoffeln wirklich nur leicht heraus. Er eignet sich außerdem auch als tolle Verwertungsmöglichkeit für Kartoffeln vom Vortag und kann selbstverständlich auch als nicht fructosearme Variante gebacken werden. Dazu einfach statt Getreidezucker normalen Zucker verwenden.

Jetzt bin ich aber wieder richtig gespannt darauf, was Judy und Anja für unsere Sommeredition von Stuttgart Vier mal 3 fabriziert haben. Ich war tatsächlich noch nicht spicken, obwohl beide Beiträge bereits seit gestern Nachmittag online sind! Wie immer weiß keine von uns vorab, welche Zutaten sich die jeweils beiden anderen aussuchen und was letztendlich daraus entsteht. Das ist immer wieder spannend!

Viel Spaß beim Lesen! Viel Spaß beim Backen! Und ganz viel Spaß am Sommer!

Eure Sonja

Küchensoundtrack: Audioslave – Show Me How To Live

 

 

 

 

 

2 Comments

  1. Käskucha mit voll fettem Quark – wir Schwaben gönnen uns das. Dein Kuchen sieht absolut perfekt umperfekt aus und ist mal wieder eine tolle Idee. Ich würde erst ein Stückle pur essen und dann noch eines mit Sößle.
    Liebe Grüße aus Fellbach
    Eva

    • So ist es, liebe Eva! Wenn schon Quark, dann bitte richtig. Und jetzt fällt mir eben auf, dass ich die Kartoffeln in der Zubereitung ganz vergessen habe… *hmpf* Gleich mal nachholen. Du kriegst von mir auch vier oder fünf Stücke und mit oder ohne Sößle, ganz egal wie. Danke für deine Worte und liebste Grüße nach Fellbach,

      Sonja

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