Stuttgart Vier mal 3 – Winteredition: SüßKartoffelkuchen mit Blutorangen und Rote Bete Guss!

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Was passiert, wenn drei Stuttgarterinnen sich dazu entschließen 4x im Jahr gemeinsame Sache zu machen und darüber zu bloggen ohne dabei jeweils zu wissen, was die anderen im Schilde führen? Stuttgart Vier mal 3!

Gemeinsam mit Anja von Alltagssterne und Judith von Judysdelight wird ab sofort alle drei Monate zu jeder Jahreszeit gemeinsam ein Rezept gebloggt. Anja und Judith schreiben, kochen und backen querbeet, bei mir ist das herzhafteste der Gefühle, zumindest hier auf the whitest cake alive, wie ihr wisst, selbst gebackenes Brot. Einen Kuchen mit gleich vier der jeweils zur Auswahl stehenden Zutaten zu kreiren wird oft eine Herausforderung sein und genau das reizt mich daran. Es wird also bestimmt öfter ungewohnt zugehen, manchmal ganz unmöglich und nicht immer geht das fructosearm.

Gemeinsam haben wir Anfang des Jahres für Frühling, Sommer, Herbst und Winter eine ganz analoge Liste mit saisonalem und im Idealfall regionalem Obst und Gemüse erstellt, von der jede sich vier beliebige Zutaten aussucht, aus denen sie ein Rezept schustert. Ob herzhaft, süß, Vor- oder Nachspeise ist dabei ganz der eigenen Kreativität überlassen.

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Das spannende daran ist, dass keine von uns weiß, was die andere aus diesen beliebigen Zutaten eigentlich zaubern wird. Natürlich auch nicht, aus welchen Zutaten der Liste sie etwas zubereitet. Das Ganze ist also auch für uns eine komplette Überraschung und ich gestehe, dass ich jetzt wirklich sehr gespannt auf die Rezepte der beiden bin!

Ihr merkt es schon, Upside Down Kuchen haben es mir angetan. Und ganz besonders mag ja immer auch ein bisschen schräge Kuchen, denen man ihren sogar eventuell verrückten Inhalt einfach niemals ansehen würde. Auf diesem Weg kann man eine Menge Gemüse in den Kuchen schmuggeln und niemand würde einem je auf die Schliche kommen, ha!

Die zur Auswahl stehenden frischen Zutaten in dieser Jahreszeit und für die erste Ausgabe von Stuttgart Vier mal 3 muten auf den ersten Blick nicht gerade kuchentauglich an:

Pastinaken/Schwarzwurzeln/Topinambur/Steckrüben

Weißkohl/Rosenkohl/Rotkohl/Wirsing

Zitrusfrüchte

Kartoffeln/Süßkartoffeln

Rote Bete

Ja, also wenn sich daraus mal nichts machen lässt, dann weiß ich auch nicht?! Der Himmel für Kuchenliebhaberinnen…

Nun entgegen eurer vermutlich rollenden Augen hatte ich meine Favoriten trotzdem schnell zusammen und es hat funktioniert. Sehr gut sogar. Zumindest nachdem ich aufgegeben habe, den Teig mit Rote Bete Pulver Pink färben zu wollen. Ich habe so viel Positives gehört, aber wieso zum Geier bleicht das Zeug beim Backen so sehr aus? Dazu kann ich nach zwei gescheiterten Kuchen echt nicht raten.

Dieser kleine Kuchen mit Süßkartoffeln, Kartoffeln, Blutorangen und Zuckerguss mit Rote Bete ist der mit Abstand saftigste Kuchen, den ich seit langem gegessen habe. Ohne Scheiß. Das schon sollte der alleinige Grund sein, ihn genau jetzt nachzubacken.

Zutaten für eine 18cm Form:

1 Bio-Blutorange

etwas Rohrohrzucker zum Karamellisieren

150g SüßKartoffeln, vorgekocht und abgekühlt

3 Eier (L)

Prise Salz

25g Puderzucker

1/2 TL Speisestärke

70g Rohrohrzucker

80g gemahlene, blanchierte Mandeln

1 EL Grieß

1TL abgeriebene Orangenschale

1 TL Zitronensaft

2 TL Rote Bete Pulver

Puderzucker

Funktioniert so:

  1. Die Blutorange heiß waschen und in Scheiben schneiden. Diese mit etwas Rohrohrucker in einer Pfanne bei mittlerer Hitze karamellisieren, die Scheiben dazu immer wieder umdrehen und mit Zucker bestreuen. Anschließend beiseite stellen.
  2. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Den Boden einer kleinen Springform mit Backpapier auslegen, die Ränder fetten.
  3. Die vorgekochten SüßKartoffeln entweder mit einer Gabel zerdrücken oder mit einer Gemüsereibe raspeln. Die Eier trennen und das Eiweiß mit der Prise Salz steif schlagen. Puderzucker mit Stärke vermischen und ebenfalls unterheben.
  4. Die Eigelbe mit Rohrohrzucker cremig schlagen. Gemahlene Mandeln, Grieß und Orangenschale zusammen mit den geraspelten Kartoffeln zum Teig geben und kurz unterheben. Anschließend den Eischnee vorsichtig mit einem Teigschaber unterrühren.
  5. Die karamellisierten Blutorangenscheiben auf dem Boden der Springform anordnen. Den Teig darauf geben und glatt streichen. Der Kuchen wird jetzt auf der mittleren Schiene 25-30 Minuten gebacken. Bitte habt ein Auge auf ihn, wenn er oben zu dunkel wird, sollte er mit Alufolie abgedeckt werden. Nach erfolgreicher Stäbchenprobe den Ofen ausschalten und den Kuchen darin auskühlen lassen.
  6. Für den Guss alle Zutaten verrühren und über die Kuchenstücke geben.

Gerne könnt ihr den Kuchen auch in einer Standardform backen, dafür dann einfach die Zutatenmenge verdoppeln. Zum Probieren fand ich eine kleine Form angebracht und der Kuchen sieht in der Größe wirklich sehr hübsch aus. Definitiv werde ich ihn öfter backen, denn an Saftigkeit ist er kaum zu überbieten.

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Ich bin glücklich, mich auf dieses Experiment eingelassen zu haben und brachte den Kuchen vergangenen Sonntag auch zur Geburtstagssause meiner kleinen Nichte mit. Nun, er hat die „Auswärtsprobe“ bestanden. Mit Bravour! Ich bin mir GANZ sicher, dass er es euch genauso sehr antun wird wie mir. Kuchenliebhaberinnen-Ehrenwort.

So und jetzt lasst uns doch mal das Geheimnis lüften, was Judith und Anja zur Winterausgabe von Stuttgart Vier mal 3 servieren! Zu Judith´s Beitrag geht es hier entlang und Anja´s finden wir dort drüben.

Ich schnappe mir noch eben ein Stückchen Kuchen, drehe Kakkmaddafakka auf, deren Song die Sonne mindestens genauso sehr aufgehen lässt wie der kleine SüßKartoffelkuchen mit Rote Bete Glasur hier.

Habt es gut,

Sonja

 

Küchensoundtrack: Kakkmaddafakka – Dro So

I want to turn the whole thing upside down: Upside Downies mit Orange und Schokolade bei den Essgeschichten im SWR!

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Ich hab gehört, es ist noch Orangenzeit. Winter. Grau. Kalt. Wenn ich die letzten Tage in Vorbereitung auf die – ja, ich muss es schon wieder sagen, aber nur noch ein Mal! – Pop Up Bakery so von drinnen nach draußen gucke, dann wünsche ich mir bei diesem Schmu-Wetter, dem ständigen Regen und der Kälte wirklich etwas Farbe auf den Kuchenteller.

Und Jack Johnson mit seiner Gitarre neben mich auf die Couch. Weil: „I want to turn the whole thing upside down. I’ll find the things they say just can’t be found. I’ll share this love (for cake) I find with everyone…“

Es gibt jedoch etwas, das fehlt mir mit der Intoleranz manchmal etwas sehr und das ist so ein richtig schöner schokoladiger Kuchen. Ich meine so einen von der Art „Triple-Ultra-Mega-Wahnsinns-Quadruple-mehr-Schokolade-geht-nicht-mehr-Choc“ oder vergleichsweise zumindest so schokoladig wie mein liebster Malzbier-Schokoladen Gugelhupf. Nur diesmal ohne Bier.

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Muffins mit Überraschungseffekt

Am nächsten kommt diesem Schokoladenhunger der Avocado Schokoladenkuchen mit Bananenfrosting. Und, wenn ich schonmal dabei bin, kennt ihr diese Zartbitterschokolade mit flüssiger Orangenfüllung? Die fehlt mir manchmal auch, denn früher habe ich sie ab und an ganz gerne gegessen.

Nun kann ich aber weder viel von dieser leckeren gefüllten Schokolade (gibt´s die überhaupt noch?) essen noch mir ständig einen riesengroßen Kuchen für mich alleine backen. Deshalb muss etwas Handliches, Kleines und Praktisches her: Upside Downies, die schokoladig sind und Farbe in ungemütliche Regentage bringen.

Zutaten für 12 Stück:

2 unbehandelte Orangen

1 Tafel fructosearme Zartbitterschokolade

180g weiche Butter

170g Trauben- oder Getreidezucker

1 Msp. gemahlene Vanille

150g Mehl

3 Eier

1/2 Pck. Backpulver

60g hochwertiges Kakaopulver

1/8l Vollmilch

1/2 TL orientalisches Kaffeegewürz (alternativ auch gerne gemahlenen Kardamom)

etwas Sukrin Gold

optional etwas Kokosfett und Zartbitterschokolade

Funktioniert so:

  1. Die Schale einer der beiden Orangen abreiben und beide Orangen filetieren, die Filets beiseite stellen. Die Zartbitterschokolade im Wasserbad schmelzen.
  2. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen und die Mulden einer Muffinform gut mit Butter einfetten. Anschließend mit Sukrin Gold ausstreuen und in jede Mulde zwei Orangenfilets geben.
  3. In einer Schüssel die Butter und den Trauben- oder Getreidezucker mit der gemahlenen Vanille hell-cremig aufschlagen. Die Eier einzeln dazu geben und gut unterrühren. Mehl, Backpulver, Kakao und das orientalische Kaffeegewürz in einer weiteren Schüssel mischen und abwechselnd mit der Milch zum Teig geben. Zuletzt die geschmolzene Schokolade unterrühren.
  4. Den Teig mithilfe zweier Löffel auf die Mulden verteilen und die Upside Downies etwa 15 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Anhand der Stäbchenprobe prüfen, ob sie fertig sind, anschließend herausnehmen und abkühlen lassen.
  5. Sind die Upside Downies gut abgekühlt, dann auf einen Teller stürzen. Wer mag kann jetzt nochmals Schokolade mit etwas Kokosfett schmelzen und sie über die fertigen Küchlein träufeln. Fertig!

Die Upside Downies habe ich zum SWR-Dreh im November für die Essgeschichten gebacken, den ihr euch, wenn ihr schnell seid, gleich in etwa 15 Minuten im SWR anschauen könnt. Ich hatte sie beim Dreh zum ersten Mal gebacken und leider dufteten sie um einiges schokoladiger als sie letztendlich schmeckten. Verflixt! So konnte das nicht bleiben. Ich habe deshalb nochmals getüftelt, das Rezept etwas verbessert und kann mich nun zufrieden zurücklegen.

Ebenfalls nicht vorenthalten möchte ich euch die Muffins meiner Kuchenquartett 0711 Mädels Natalie, Elena und Judy. Wenn euch also nach veganen Popovers, Schoko-Eierlikör-Eiswaffelmuffins oder vielleicht doch eher nach herzhaften Pizza Pull Apart Muffins gelüstet, dann springt unbedingt zu den Mädels rüber. Es wird sie neben vielen anderen Sachen auch am Samstag bei unserer Pop Up Bakery geben!

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Witzigerweise entdecke ich vor allem in letzter Zeit wieder vermehrt Upside Down Kuchen in meiner Timeline. Früher gab es sie vor allem retromäßig mit Ananas, jetzt gerade sehe ich sie in sämtlichen Zitrusvarianten und allesamt finde ich wunderschön! Es sind Kuchen, denen man erst einmal nichts ansieht. Doch stürzt man sie, sofern der süß klebrige Zuckerkaramellrand einen nicht gerade daran hindert, zeigen sie ihre Schokoladenseite. Hach, ich mag sie einfach!

Und der nächste Kuchen, der um ehrlich zu sein eben erst meinen Ofen verlassen hat, ist ebenfalls ein Upside Down Kuchen. Der erwartet euch dann im nächsten Beitrag im Rahmen einer tollen neuen Blogaktion in einer zugegebenermaßen sogar für meine Verhältnisse etwas verrückten Kombination.

So und jetzt ist es Zeit es sich vor dem Fernseher (oder in der SWR-Mediathek ab Minute 23!) gemütlich zu machen, bis bald! Ich geh mich schonmal verstecken…

Eure Sonja

Küchensoundtrack: Jack Johnson – Upside Down

Mehr Kuchen für Stuttgart! Das Kuchenquartett 0711 zu Gast im SWR.

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Während ich hier so zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her sprinte um die letzten Cupcakes für unsere zweite Pop Up Bakery diesen Samstag im Melva Mode Café im schönen Stuttgarter Westen noch einmal auszuprobieren, höre ich – wie sollte es auch anders sein – laut Musik und bin allmählich doch so ein klitzekleines bisschen nervös.

Nicht nur, weil wir – das Kuchenquartett 0711 – bestehend aus Elena, Judy, Natalie und mir in wenigen Tagen wieder zur Pop Up Bakery aufrufen. Schon allein das ist natürlich ein guter Grund zur Aufregung und eifrigem Herumgewusel, schließlich kommen viele Leute! Bekannte, noch Unbekannte, gute Freunde, Kollegen, Eltern… vorbei um sich ihren Lieblings-Cupcake, Muffin, oder auch ein kleines Törtchen aus unseren Backstuben zu sichern, zu probieren, mit nach Hause zu nehmen oder auch gleich vor Ort zu einem Kaffee zu verspeisen. Es ist auch beim zweiten Mal aufploppen nicht minder aufregend! Man weiß einfach nie, was einen bei solch einer Veranstaltung erwartet. Und wie das Selbstgebackene bei anderen so ankommt.

Diesmal haben wir, habe ich, aber nicht nur wegen der Veranstaltung an sich „etwas“ Lampenfieber sondern vor allem deshalb, weil – endlich dürfen wir es verraten! – der SWR uns bereits im vergangenen November im Rahmen der Sendung „Essgeschichten“ zu unseren Vorbereitungen für die kommende Pop Up Bakery besucht und uns auch fleißig beim Backen, Herumwuseln und Ausprobieren gefilmt hat. Ja, so richtig mit Van, Kamera und Tonequipment. Ah, Mama und Papa, ich komm im Fernsehen!!!

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Ein Glück hatten wir vier uns, alleine wären wir vermutlich allesamt durchgedreht vor Aufregung, denn irgendwie kann einem das ja doch kaum einer glauben bis er es nicht mit eigenen Augen sieht und groß verraten durften wir zu dem Zeitpunkt auch noch nichts. Auch selbst finde ich es surreal, dass ich mich übermorgen selbst im SWR werde sehen können.

Momentan schwanke ich noch zwischen dem Drang mich umgehend hinter dem Sofa verstecken zu wollen und es einfach nur ziemlich cool zu finden. Wir wissen nämlich nicht, was uns genau erwartet, denn den fertigen Beitrag sehen auch wir am Donnerstag zum allerersten Mal.

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Wer neugierig ist, mitfiebern und auch schonmal einen kleinen Blick auf das werfen möchte, was wir am Samstag mit auf der Kuchenkarte haben werden, der sollte am

Donnerstag, den 11. Februar 2016 um 18:15 Uhr den SWR

einschalten. Unseren Part der Sendung könnt ihr euch ab sofort hier in der Mediathek ansehen und zwar ab Minute 23.

Im Rahmen der Sendung „Essgeschichten“ werden Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Südwestens besucht, die sich dem kulinarischen Genuss verschrieben haben und so erhielten wir Anfang November einen Anruf, ob wir nicht Lust hätten uns mal beim Backen für die Pop Up Bakery über die Schulter gucken zu lassen.

Fast einen ganzen Tag lang fanden die Dreharbeiten in Esslingen statt und ihr ahnt es schon, die wunderbare Küche da oben gehört nicht zu mir sondern zu Elena und ihre auf Knopfdruck ausfahrbare Dunstabzugshaube sorgte für ordentlich Spaß beim Kameramann, der diese sogleich für seine Frau Zuhause aufnahm: „Sie will so eine jetzt auch!“

So spaßig wie es sich anhört war es auch! Das Team war wahnsinnig nett und es wurde viel gelacht, da war die Nervosität vor allem in der Küche irgendwann abgelegt. Trotzdem war es ab und an schwierig, da wir nie genau wussten in welchen Momenten reden erlaubt war und in welchen wir still sein sollten und einfach nur aufgenommen wurde. Auch ist es nicht so einfach plötzlich vor der Kamera über ein vorher nicht definiertes Thema miteinander sprechen zu sollen, dass nichts mit der Pop Up Bakery zu tun haben sollte. Zum Beispiel über die Kirche am Esslinger Marktplatz. Nicht. Einfach.

Trotzdem haben wir den Tag gut überstanden, sind um eine aufregende Erfahrung reicher und ich bin ungemein froh, das Ganze mit diesen drei wunderbaren Mädels erlebt haben zu dürfen!

Und da wir nach einigem Kopfzerbrechen und Probe backen unsere Kuchenkarte heute auch endlich veröffentlicht haben, möchte ich sie euch an dieser Stelle selbstverständlich nicht vorenthalten:

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Kuchenquartett 0711 Pop Up Bakery

13. Februar 2016

13-16 Uhr

Melva Mode Café

Reuchlinstr. 22

Stuttgart-West

Stattet ihr uns am Samstag einen Besuch ab? Ich bin mir sicher, dass auf unserer Karte für jeden etwas dabei ist. Noch ein kleiner Hinweis: wenn ihr vorbei kommt und auf jeden Fall Kuchen mitnehmen möchtet, packt bitte noch eine Dose mit in den Beutel, das erspart uns allen unnötigen Müll.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: die Mädels und ich, wir freuen uns sehr auf euch am Samstag!

Bis dahin,

Sonja

Brot ist Heimat oder Muttis über-Nacht-Brot!

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Brot ist Heimat? Wie schnulzig klingt das denn?! Wenn wir aber mal genauer darüber nachdenken, dann fehlt uns nach längerer Heimat-Abstinenz meist dieses so unscheinbare Lebensmittel am allermeisten. Es ist Fakt, nirgendwo auf der Welt schmeckt Brot so gut wie hier und absolut nirgendwo irgendwo ever gibt es dermaßen viele gute Sorten an Brot, so dass wir von der Fülle regelrecht erschlagen werden würden, hätten wir alle plötzlich nebeneinander vor der Nase aufgereiht.

Ein Beispiel. Mein Vater kam vor über 30 Jahren als Gastarbeiter aus Kroatien nach Deutschland und er ließ sich hier nieder. Wir, meine Brüder und ich, sind hier aufgewachsen. Mit Brot und vielen anderen schönen Dingen. Ich habe es geliebt meine gesamten Sommerferien immer in Osijek zu verbringen und der morgendliche Gang zum ortsansässigen Bäcker mit meinen Eltern war für mich das reinste Paradies an Burek, Slance, Kifle und Pita mit Kirschen. Mhhh, wie das kracht! Ich habe damals auch das fluffig weiche Weißbrot geliebt, das ich so gerne einfach nur in eine Tasse mit Milch getunkt gegessen habe. Mehr habe ich eigentlich nicht gebraucht. Das waren glückliche Backwarenzeiten.

Heute sieht das Ganze etwas anders aus. Meine Eltern sind mittlerweile einen Großteil des Jahres in unserem Haus dort unten. Ich liebe es nach wie vor in meine erste-zweite Heimat zu fahren, weil ich nirgendwo sonst so gut die Seele baumeln lassen kann. Und ich genieße es sehr mit meiner Mutter zusammen Gnocchi, Zwetschgenknödel – Knedle sa Sljivama – oder Gibanica (eine Art strudeligen Auflauf mit Käse) zu machen. Es bedeutet Entspannung für mich, aber auch die Rezepte unserer Familie zu lernen. Essen war für uns schon immer wichtig und es wird sich dabei immer Zeit gelassen.

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Mit Entsetzen habe ich letzten Sommer festgestellt, dass es bei uns im Vorort nur noch einen Bäcker gibt, der wirklich selber backt. Bei allen anderen findet man denselben geschmacklosen Einheitsbrei, der auch meist tiefgekühlt von anderswo angekarrt kommt.  Es ist fettig, es schmeckt fade, es ist teuer und man kann das Gebäck nicht länger als ein paar Stunden aufbewahren ehe es hart wird. Wo ist das Backwarenparadies hin? Es ist dieselbe Frage, die wir uns hier bei manchem „Bäcker“ stellen können.

Deshalb ist meine Mutter dazu übergegangen einen Großteil des Brotes selbstzubacken und nur ab und zu mal zu kaufen. Burek kaufen meine Eltern weiterhin beim richtigen Bäcker im Ort, der schmeckt dort einfach am besten.  Und wenn meine Eltern uns Kinder hier besuchen, dann freuen sie sich zum Beispiel stets über richtig gutes Schwarzbrot, denn das gibt es in Kroatien nicht. Es gibt auch kein wirklich gutes dunkles Mehl, denn das ist untypisch. Kennt dort kaum einer. Wozu auch? All diese Lebensmittel kommen erst langsam an.

Und wie spanne ich nun den Faden zu „meinem“ Brot? Nun, ganz einfach, denn es ist dieses Brot mit dem meine Mutter mittlerweile die halbe Nachbarschaft versorgt. Das Brot, das meine Eltern zum Karten spielen bei Freunden mitbringen, weil diese es so gerne mögen. Das Brot, das ihr heute hier seht: Muttis über-Nacht-Brot.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, es ist das g-e-i-l-s-t-e Brot, das ich bislang je selbst gebacken habe! Und ich habe schon ein paar Brote gebacken. Keines hatte jedoch diese unvergleichlich knusprige Krume außen und diese Lockerheit innen. Das Geheimnis ist Zeit. Einfach nur ganz viel Zeit und ich meine wirklich viel Zeit. Gute 16-20 Stunden sollte der Teig schon gehen, also am besten über Nacht, wie es der Name schon sagt. Dafür werdet ihr mit richtig tollem Brot belohnt. Wenn das kein Anreiz ist?

Zutaten für ein Brot:

500g Mehl, ich habe für dieses Dinkel genommen

340ml lauwarmes Wasser

11g Meersalz oder 1 TL

1g Trockenhefe oder 1/2 TL

Etwas Mais- oder Dinkelgrieß

Funktioniert so:

  1. Das Meersalz im lauwarmen Wasser auflösen und alle Zutaten miteinander zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
  2. Den Teig in eine große Schüssel geben und zugedeckt 16-20 Stunden, am besten über Nacht, bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Ich habe meinen Teig schon am späten Nachmittag vorbereitet und dann über den Abend und die Nacht bis zum nächsten Tag ruhen lassen. Er stand dabei nicht neben der Heizung.
  3. Den Teig nach der Ruhezeit nochmals kurz auf der bemehlten Arbeitsfläche durchkneten und wieder für 1-1 1/2 Stunden zugedeckt ruhen lassen.
  4. Gegen Ende dieser Zeit den Backofen auf 240 Grad vorheizen und einen Topf mit Deckel (meiner ist aus Emaille, es geht aber auch ein Römertopf, Bräter oder ähnliches, das ofenfest ist) zum Erwärmen hineinstellen.
  5. Den Topf herausholen und den Boden mit Grieß ausstreuen. Den Teig darauf geben, den Deckel drauf und 30 Minuten im Ofen backen. Danach den Deckel abnehmen und das Brot weitere 10-15 Minuten backen damit es eine schöne Farbe bekommt.
  6. Den Topf aus dem Ofen nehmen, das Brot herausnehmen und auf einem Holzbrett mit einem Tuch abgedeckt auskühlen lassen. Eine Scheibe noch lauwarmes Brot ist aber auch nicht verkehrt!

Ich glaube, dass ich so bald kein anderes Brot backen noch kaufen werde. Es gibt einfach kein besseres Brot als das selbst gebackene und nachdem ich nun so eine schöne Kruste hinbekommen habe, fehlt mir auch der Anreiz zum Bäcker zu gehen und mir dort einen knuspernden Laib zu kaufen.

Sicherlich. Mit Sauerteig, kalter Teigführung und sonstigem Klimmbimm bekommt man noch ganz andere Geschmacksexplosionen hin, aber ich will ehrlich sein: es hat sich gezeigt, das Sauerteig nicht mein Freund ist und ich habe es bereits geschafft den Gutsten ins Grab zu bringen. Wieso in aller Welt sollte ich mich auf den Kopf stellen? Ich möchte mit einfachen Mitteln und ohne Blubberbläschen blubbernde Sauerteigansätze Brot backen. Ganz einfach.

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Welches, das mir gut bekommt und für das ich nicht erst einmal Fachvokabular studiert haben muss. Eventuell wird sich das eines Tages ändern, wenn ich meine Brote auf die nächste Ebene „lupfen“ will. Heute erstmal nicht. Heute freue ich mich darüber das leckerste Brot in Stuttgart West in meiner Küche stehen zu haben und ihr könnt das auch. Wollen wir wetten?!

Wie Anna Jones in ihrem Buch „a modern way to eat“ schreibt: „Über selbst gebackenem Kuchen oder Brot lassen sich neue Freundschaften schließen, durch sie zeigt man alten Freunden, dass man sie liebt, sie sind Mittelpunkt jeder großen Feier.“

In diesem Sinne: happy bread baking!

Eure Sonja

Küchensoundtrack: Woodkid – Conquest of Spaces