Es warten rosige Zeiten: göttliche Erdbeer Rosentarte mit Pistazien!

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Das Leben des, in freier Wildbahn, allgemein bekannten so genannten gemeinen Foodbloggers ist echt hart. Am laufenden Band wird man mit Essen und interessanten, neuen Geschmackskombinationen konfrontiert. Überall gibt es etwas zu probieren. Ständig hat man Leckereien vor der Nase. Ständig! Bei privaten Festlichkeiten wird man immerzu dazu verdonnert etwas Süßes, Salziges, Luftiges, Schweres, Leichtes und manchmal sogar Gesundes mitzubringen. Immer dasselbe Spielchen. Andauernd fotografiert man ungemein toll aussehendes Essen, von dem man bis dahin womöglich noch nicht einmal die Gelegenheit hatte zu kosten. Vor allem bei Kuchen und Gebäck kann das superfies sein. Erst heute wieder festgestellt. Echt gemein!

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Trotz der Tatsache, dass ich diese Erdbeer Rosentarte – einvernehmlich auf meiner Facebookseite von euch gefordert – in den letzten Wochen schon mehrfach und auch für meine erste Pop Up Bakery zusammen mit den Mädels Elena, Judy und Natalie aka Kuchenquartett 0711 gebacken habe, ist es mir bei keiner der Tartes dermaßen schwer gefallen mich selbst zusammenzureißen, sie nicht sooooofort, jetzt und hier komplett aufzuessen. Ok, bei einer Pop Up Bakery kommen bereits angenagte Kuchen nicht so gut und komplett leere Tortenplatten sehen ebenfalls wenig schmuck aus.

Am Pfingstmontag steppte ich zur Verbloggung dieser Tarte-Lady also durch die Küche. Knetete den Mürbteig – dazu gibt es weiter unten noch ein paar Worte mehr – und freute mich schon auf die später folgende Fotosession, denn die Sonne schien, es war warm, ich war total entspannt und es war einfach ein schöner Tag, bis… Ja, bis plötzlich der Platzregen einsetzte und es Nacht wurde über Stuttgart. Ähm, so war das aber nicht abgemacht, ja?

Vor lauter Entsetzen und geistiger Umnachtung vergaß ich mit der Kamera ein Bild von der Tarte zu machen ehe sie ihren Schönheitsschlaf im Backofen machen konnte. Ihr werdet aber auch bei diesem Instagram Foto von mieser Qualität verstehen, wieso dann wortwörtlich doch noch die Sonne in meiner Bude aufging:

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Ein Bad im Ofen, aprikosige Bebauchpinselung (ja meine Kuchenkinder haben es gut bei mir), mehrere Fotos und einige laute Schmachtseufzer später endlich der Anschnitt. Himmel…! Ich habe gerade mal ein Foto mit einem der Kuchenstücke auf einem Teller schießen können (das mir nicht so gut gefällt als das ich es hier zeigen mag) und dann ging nichts mehr.

Ich musste diese Tarte probieren. Geht nicht anders. Wenn ich sie doch eh schon anschneide, wieso dann nicht auch einfach direkt… probieren? Muss ich ja sowieso. Nicht, dass ich nicht ohnehin schon wüsste wie sie schmeckt, aber nun ja… Jede Tarte ist anders, ihr versteht. Also stand ich da auf dem Schemel, Kamera in der einen Hand, Kuchen in der anderen Hand und Tarte auf meinem vor den Balkon geschleppten Nachttisch. Die Arbeit muss ja trotzdem weitergehen und siehe da, es wurde auch wieder Tag mitten am hellichten Tag.

Wenn ich euch nun also die Tarte beschreiben müsste, würde ich exaktamente diese drei Worte benutzen: backt. sie. nach. unbedingt und hier und jetzt und sofort! Ohne Scheiß! Die Erdbeerzeit ist endlich da und muss genutzt werden. Was läge da näher als Kuchen damit zu backen? Oder aber, wie man hier in Schwaben so schön secht: Breschtlings Gsälz. Das werde ich selbstredend auch noch tun, an einem anderen Tag.

Zutaten für eine Form á 24cm:

Für den Mürbteig:

250g Mehl

125g kalte Butter, klein gewürfelt

70g Rohrohrzucker

1 Ei

Für die Füllmasse:

50g weiche Butter

70g Rohrohrzucker

1 Ei

1 1/2 TL Backpulver

90g Mehl

1-2 TL Rosenwasser

1-2 Handvoll Erdbeeren, geputzt und halbiert

gehackte Pistazien

2EL Aprikosenkonfitüre

1-2 TL getrocknete Rosenblütenblätter, wer mag

Funktioniert so:

1. Den Backofen auf 160 Grad vorheizen und eine Tarteforn gut buttern.

2. Für den Boden gebt ihr Mehl, Zucker und die klein gewürfelte Butter in eine Schüssel und verarbeitet es zu einer krümeligen Masse. Wenn ihr ebenfalls per Hand knetet, ist es wichtig, dass die Würfel sehr klein sind, das klappt wunderbar. Anschließend das Ei zugeben und zu einem geschmeidigen Teig kneten. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen und die Tarteform damit auslegen.

Hier gilt: was nicht passt, wird passend gemacht. Falls also der Teig doch mal nicht so will wie ihr, drückt ihr ihn eben in die Form. Alles kein Problem.

3. Für die Fülle weiche Butter und Zucker mit dem Handmixer verrühren, anschließend das Ei unterarbeiten. Mehl und Backpulver mischen und zusammen unter den Teig geben, 1-2 TL Rosenwasser ebenfalls hinzugeben und nochmals kurz durchmixen.

4. Die Füllmasse mithilfe eines Teigschabers auf dem Boden verteilen. Die Fülle wird euch zu wenig und zu dünn für die Tarte erscheinen, aber don´t worry, sie geht im Ofen noch sehr gut auf. Die Erdbeeren darauf verteilen, je mehr desto saftiger wird euer Kuchen hinterher. Die gehackten Pistazien auf der Tarte verteilen.

5. Auf der mittleren Schiene des Ofens ca. 35 Minuten, eventuell etwas länger, backen. Nach gelungener Stäbchenprobe den Ofen ausschalten und den Kuchen noch einige Minuten im Ofen lassen.

6. Die Tarte aus dem Ofen holen und einige Minuten abkühlen lassen. Währenddessen 2 EL Aprikosenkonfitüre in einem kleinen Topf erhitzen und mithilfe eines Backpinsels die noch warme Tarte damit glasieren. Die Tarte vor dem Servieren mit getrockneten Rosenblüten (gibt es z.B. bei Madavanilla) bestreuen, fertig!

Das Originalrezept, welches ich etwas abgewandelt habe, ist heute aus einem anfangs für sehr unscheinbar gehaltenen Backbuch, dass ich vor etwa zwei Jahren von einer guten Freundin zum Geburtstag bekommen habe: Backen mit Leidenschaft von Isidora Popovic, die in London 1999 auch eine kleine Backwarenmanufaktur, Popina, eröffnet hat. Beim nächsten London-Trip steht der Laden ganz oben auf meiner Liste.

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Unscheinbar ist das Buch aber nur auf den ersten Blick, gebacken habe ich vor allem die letzten Wochen mehrfach daraus. Ganz besonders die Tartes haben es mir angetan und der Mürbteig aus Popina´s Buch ist bislang mein ungeschlagener Allzeit-Favorit, weil er einfach und in Nullkommanix fabriziert ist und ich kein einziges weiteres Krümelchen Mehl beifügen muss. Ich muss überhaupt gar nichts an dem Teig verändern.

Wer da tatsächlich noch fertigen Mürbteig kauft, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. *hust* Schneller, einfacher, günstiger und zugleich besser geht nun wirklich nicht. Ich knete noch immer per Hand und dieser Teig wird einfach toll geschmeidig und lässt sich prima verarbeiten. Lediglich den Zucker habe ich sowohl beim Teig als auch bei der Fülle etwas reduziert und möchte hier kurz anmerken, dass diese Tarte nicht fructosearm ist.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Backen und lasst mich doch an den Ergebnissen unbedingt teilhaben.

Bis bald

Eure Sonja

Küchensoundtrack: New Found Land – The Hunter

Voll auf die Nuss: gNuss mit fructosearmer Macadamia-Vanillebutter!

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Nun, ich wollte diesen Beitrag schon munter mit dem Satz: “Jetzt gibt´s so richtig was auf die Nüsse!” beginnen, aber nun ja…. es wird niemand verkloppt und das Ganze hier soll sich irgendwie auch noch im jugendfreien und ästhetisch ansprechenden Bereich abspielen. Es gibt dementsprechend nur im positiven Sinne heute etwas auf die Nuss. Es gibt: Brot! Von Dankebitte. Natürlich.

Dieser adrette nussige Genosse hat es nämlich in und auf sich und vereint so gleich drei Sorten direkt in seiner  Krume und eine obendrauf: Paranüsse, Cashewkerne, Walnüsse sowie eine Handvoll Macadamias schließen sich zu einem genüsslichen Pakt zusammen. Mit einer leckeren selbstgemachten Macadamia-Vanillebutter obendrauf kommen wir dem Nuss-Olymp dann doch schon sehr nahe, oder? Wo bitte gibt´s denn sonst so viele knackige hübsche Nüsschen in einem Brot?

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Hinter diesem wohl deutschesten aller Lebensmittel steht jemand, der das Brotbusiness weitab von Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern, Konservierungsmittelchen, Enzymen und Konsorten, die ehrlich kein Mensch in seinem Brot haben und anschließend auch noch konsumieren mag, aufmischt.

Es sind Brotbackmischungen, ja. Sie bestehen davon abgesehen aus 100% natürlichen Zutaten, die nicht unnachvollziehbar vorab monatelang durch die Lande gekarrt wurden. Die Mehle sind allesamt aus Demeter-Qualität, im Idealfall stammen die Zutaten direkt aus der Umgebung. Für alle, die es (noch) nicht wissen, Demeter hat die strengsten Qualitätskriterien unter allen biologisch-dynamisch wirtschaftenden Verbänden. Somit kommt hier absolut kein Schmu hinein.

Auch wenn euer Körper nichts mit Gluten anfangen kann, müsst ihr euch nicht groß Gedanken machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es oft nicht einfach ist bei einer Unverträglichkeit geeignete Lebensmittel zu finden, die einen ohnehin geplagten Magen nicht zusätzlich überfordern. Hier sind sechs von 14 unterschiedlichen Mehlsorten glutenfrei, einige Brote kommen ganz ohne Hefe aus und wenn euch, so wie mir, nach einer ganz ganz eigenen Mischung ist, falls ihr eine ganz ganz andere Unverträglichkeit habt, oder aber unbedingt mal mit Sepia-Tinte, Chia- und Hanfsamen auf einmal backen mögt, dann könnt ihr euch aus 100 Zutaten auch eine ganz eigene Mischung zusammenstellen, eurem Brot-Baby einen Namen geben und die Zutaten dafür werden direkt nach Eingang der Bestellung frisch zusammengemischt und noch am selben Tag auf den Weg zu euch gebracht.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wieso ich das hier eigentlich mache? Euch eine Brotbackmischung und das Lädchen dahinter vorzustellen? Ihr wisst, ich bin nicht faul, wenn es um ausgefallene Kombinationen und ungewöhnliche Zutaten geht. Ich probiere gerne Neues aus, bin ein neugieriger Mensch und bin vor allem dann neugierig, wenn es um schöne, natürliche, gute, hochwertige Alternativen zum Handwerksbäcker um die Ecke geht. Wenn diese Alternativen dann noch so schöne Brotkombinationen hervorbringt, modern, kreativ und einfach machbar ist, DANN opfere ich mich liebend gerne zu diesem Zweck und probiere aus, ob all das, was da so schön klingt und aussieht auch mit einer Fructoseintoleranz vereinbar ist. Das ist mein Beispiel.

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Da gibt es wohlklingende Brotnamen wie Rogg die Beere, Tumaliba die Möhrchen (würde Helge sicher auch gefallen), Peter Parsley, Feige Nuss oder auch das kleine Schwarze. Mein Daumen geht dafür schonmal hoch, denn allein sich durch die Galerie zu klicken und die Beschreibungen zu lesen macht hier einfach Spaß.

Insbesondere im Bezug auf die Intoleranz finde ich das Ganze spannend. Geht das, ist das damit gut machbar? Ich habe anfangs gezögert, ob ich mich zu erkennen geben soll oder das nicht doch lieber für mich behalte… andererseits, wieso sollte ich diesen Teil von mir verheimlichen? Es ist zwar immer wieder ein bisschen so, wie sich vor Fremden halbnackig auszuziehen, aber hey, das ist halt einfach die letzen Jahre ein Teil meines Lebens geworden (also nicht das nackig ausziehen sondern die Intoleranz, gell). Außerdem gibt es doch noch ganz viele andere Menschen da draußen, die sich entweder nicht trauen selbst Brot zu backen, keine Zeit haben oder die so gar keinen echten Handwerksbäcker mehr in ihrer Nähe haben.

Lasst euch Letzteres bitte einmal auf der Zunge zergehen. Das allein ist schon eine traurige Entwicklung im Land des Brotes, nicht wahr? Aber auch eine Aussage, die mir mittlerweile schon öfter begegnet ist und bei der wir auch mal das eigene Konsumverhalten reflektieren und uns überlegen sollten, wo wir eigentlich unsere Brötchen genau herbekommen und vor allem, wen wir damit unterstützen. Was kann man da also tun? Mit diesen Broten werden beispielsweise auch regionale Projekte der Heidelberger Tafeln unterstützt. Vielleicht kommt ihr ja aus der Gegend?

Man muss Discountbäckern und ihren aufgepumpten brotähnlichen Gebilden nicht auch noch unter die Arme greifen, ob man nun die Wahl hat oder nicht, und man muss auch nicht immer selbst den Sauerteig ansetzen (darin bin ich zum Beispiel kläglich gescheitert), wenn es noch andere Möglichkeiten gibt. Dankebitte. Natürlich. ist solch eine Möglichkeit und ich probiere sie gerne aus, weil ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann und Lust darauf habe.

Jetzt gibt´s aber endlich die viel gepriesenen Inhaltsstoffe sowie ein feines kleines Rezept von mir, was ihr als Aufstrich auf dieses und viele andere Brote, ob selbstgebacken oder nicht, geben könnt. Das Rezept für die Nussbutter ist so einfach, dass ich mich schon fast im Schrank verstecken möchte!

In einem Laib gNuss stecken:

Dinkelmehl, Typ 630

Cashewnüsse

Paranüsse

Walnüsse

Brotgewürz, gemahlen

Meersalz

Funktioniert so:

Die Backmischung wird mit 400ml lauwarmem Wasser und einem Würfel frischer Hefe verrührt und kommt anschließend bei 180 Grad im nicht vorgeheizten Backofen in eine gefettete Form.

Ja, das war´s. Einfacher geht kaum.

Für ein kleines Glas Macadamia-Vanillebutter braucht ihr:

125g Macadamia Nüsse

2 Msp. gemahlene Vanille

1-2 EL Getreidezucker, z.B. von Frusano

Funktioniert so:

1. Vielleicht habt ihr Glück und findet ungesalzene Macadamia Nüsse, falls nicht braust ihr sie lediglich kurz mit kaltem Wasser ab und rubbelt sie trocken, dann sind sie nicht mehr ganz so salzig.

2. Die Nüsse werden nun in einen Blender gegeben und je nachdem wie fein ihr eure Nussbutter haben möchtet 3-5 Minuten bearbeitet. Bei 3 Minuten ist die Macadamia Butter noch crunchy, je länger sie ihre Runden dreht desto feiner und cremiger wird sie und das ganz ohne Zugabe von Ölen.

3. Wenn ihr mögt, gebt jetzt noch 1-2 Esslöffel Getreidezucker oder ein Süßungsmittel eurer Wahl sowie die gemahlene Vanille hinzu.

Fertig ist eine geschmeidige und bei Fructoseintoleranz optimal verträgliche Nussbutter. Erwähnte ich bereits, dass das Ganze dermaßen einfach zu bewerkstelligen ist, dass ich mich schon fast schäme und verstecken gehen mag?

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Tatsächlich habe ich bis auf Erdnussbutter noch keine einzige Nussbutter selbstgemacht. Schande! Dabei geht es gar nicht einfacher als mit Macadamia Nüssen, die von sich aus schon gut ölhaltig sind. Rein theoretisch braucht ihr nicht einmal Zucker oder andere Gewürze hinzugeben. Rein untheoretisch, könnt ihr sie mit weiteren Aromen oder etwas Kakao gerne noch verfeinern. Sie hält sich im Kühlschrank bei mir schon gute zwei Wochen.

Das war es erst einmal für heute. Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Brot von Dankebitte. Natürlich. eine kleine Anregung geben und etwas inspirieren. Es gibt immer (!) eine Möglichkeit an tolle Brote zu kommen und die finden wir garantiert nicht in den Regalen anonymer Aufbackshops. Wenn ihr also aus welchem Grund auch immer nicht selbst backen könnt, schaut mal dort vorbei und tobt euch aus.

Hier wird auch bald wieder getobt, denn bei mir Zuhause steht u.a. noch das besagte kleine Schwarze herum, dass ich demnächst zücken und euch wieder zum Duell auffordern werde. Dann auch wieder ohne ellenlange Geschichte vorab. *hust*

Bis denn, habt es fein und vergesst nicht, diesen Samstag findet in Stuttgart-West von 14-17 Uhr die supertolle Pop Up Bakery des Kuchenquartett 0711 statt! Mehr Infos dazu hier.

Viele Grüße

Eure Sonja

P.S. Danke vorallem an Andrea von Dankebitte. für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit! Meine Meinung bleibt heute so wie auch die nächsten Male, wie gewohnt, unabhängig.

Lust auf Backen: zum Beispiel fructosearme Creme Brulee Tartelettes!

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Heute freue ich mich wieder einen Teil zur diesjährigen Wanderbuch Aktion meiner lieben Freundin Karens Backwahn beisteuern zu dürfen. Wobei äh…. ich muss mich kurz korrigieren, denn das Buch ist bereits seit Herbst letzten Jahres und somit schon seit Wochen und Moooonaten unterwegs durch die deutschen Lande, Dörfer, Städte und ihre zahlreichen kreativen Bloggerküchen.

Wie ist das wohl, ein Wanderbuch-Teilnehmer zu sein? Ich habe das Glück jetzt schon zum zweiten Mal bei dieser Aktion bei Karen mitmachen zu können und es ist wunderbar Teil dieses großen Ganzen zu sein. Es macht riesig Spaß das Paket aufzureißen, darin ein schönes Backbuch zu finden und sich bei einem Kaffee auf dem Sofa all die Notizen, Tipps und liebevollen Hinweise der Teilnehmer/Innen, die das Buch vor einem bereits in Händen hielten und fleißig daraus gebacken haben, durchzulesen und zu überlegen, was man sich denn selbst vorknöpfen könnte. Mitunter ist die Auswahl wirklich nicht einfach. Solch ein Buch im eigenen Bücherregal stehen zu haben, das muss schon schön sein. Oder, Karen?

Wanderbuch Logo

Noch schöner ist es aber, wenn du das Päckchen aufreißt und dir deine Vorgängerin etwas zum Naschen, nämlich die leckersten – und einzigen – fructosearmen Gummibärchen von Frusano beilegt. Tausend Dank nochmal, liebe Nici, ich habe mich wirklich sehr über deine Überraschung gefreut! Bei Nici findet ihr auch den Kuchenklassiker schlechthin: Marmorkuchen!

Zurück zum Buch, so ein Grundlagenwerk gehört ohne Frage in jeden Haushalt, in dem gerne selbst gebacken und gekocht wird. Es bietet für erfahrene Backfeen zwar keine großen und gänzlich neuen Tipps und Tricks, aber ich denke wir sind uns alle einig, dass es niemals schadet ein Nachschlagewerk zu haben, denn…

Wie war das nochmal mit dem Brandteig? Worauf muss ich da nochmal achten? Wie stelle ich nochmal einen tollen Biskuitteig her und vor allem… wie mache ich ganz einfach selbst Strudelteig? Niemand von uns kann alles wissen und können und es gibt immer etwas, das man zum ersten Mal macht – auch als erfahrene Bäckerin. Gerade für solche Fälle ist es gut, solch ein Buch zur Hand zu haben, in dem man mal eben nachschlagen und sich die wichtigsten Grundschritte anschauen kann.

Ein persönliches Beispiel gefällig? Ich weiß nicht wie es euch geht, aber Brandteig hatte ich beispielsweise das letzte Mal vor unzähligen Jahren in der Schulküche im Topf. Und ich habe ihn keineswegs geliebt! Eigentlich kenne ich bis heute niemanden, der so wirklich auf die Herstellung von Brandteig steht oder eine exzessive Leidenschaft dafür unterhält.

Wie ist das bei euch? Brandteigfreund oder eher Gegner? Kleine Windbeutel, Eclairs und Co. stehen durchaus auf meiner Backliste, aber nun ja…. davor stehen noch drölfzig andere Sachen darauf, die ich unbedingt mal backen möchte. Kann mich da eventuell jemand davon überzeugen, das Brandteig und ich doch noch Freunde werden könnten?

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Ich hätte mir sicherlich als Herausforderung also diesen Genossen vorknöpfen können, aber wenn ich ehrlich sein darf, ich hatte nicht gerade viel Spielraum für Experimente und da ich Creme Brulee schon lange einmal wieder und vor allem als Tartelette und in fructosearm machen wollte, war das die passende Gelegenheit dazu.

Deshalb beglücke ich euch heute mit diesen Kerlchen, die man getrost auch mit der besten Freundin oder dem Freund teilen kann. Selbstversändlich könnt ihr den Getreidezucker auch einfach mit normalem Zucker austauschen, wenn die Törtchen für euch nicht fructosearm sein müssen.

Zutaten für 4-6 Tartelettes:

Für den Mürbeteig:

100g kalte Butter

30g Getreidezucker

Prise Salz

1 Eigelb, Größe M

150g Mehl (Type 405)

1/2 TL Backpulver

1/2 TL abgeriebene Bio-Zitronenschale

Für die Creme:

450g Sahne

7 EL Milch

1 Vanilleschote

9 Eigelb, Größe M (ja, neun Stück!)

120g Getreidezucker

Funktioniert so:

1. Für den Mürbeteig bereitet ihr aus den oben angebenen Zutaten einen geschmeidigen Teig. Dabei solltet ihr euch nicht abhetzen, aber nur so langsam wie nötig arbeiten. Ich knete übrigens tatsächlich per Hand, ihr dürft aber gerne dazu auch die Küchenmaschine begnügen. Den Teig anschließend in Folie gewickelt 1-2 Stunden in den Kühlschrank stellen.

2. Ofen auf 180 Grad vorheizen. Die Förmchen großzügig mit Butter einfetten. Den Teig auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche dünn ausrollen und – je nachdem wie groß eure Förmchen sind – vier oder sechs Teigkreise ausstechen,das geht z.B. mit einer Tasse oder einem Schälchen ganz gut. Die Förmchen mit dem Teig auslegen und eventuell überstehende Ränder abschneiden.

3. Für das blindbacken den Teig mit Backpapier belegen und Hülsenfrüchte, Pasta, Reis oder was ihr gerade zur Hand habt darauf streuen und die Tartelettes in der Ofenmitte etwa 10-12 Minuten backen. Danach Hülsenfrüchte und Backpapier entfernen und die Böden in den Förmchen auskühlen lassen. Die Ofentemperatur auf 120 Grad herunterdrehen.

4. Für die Vanillecreme die Sahne mit der Milch zum Kochen bringen. Eine Vanilleschote längs halbieren, das Mark herauskratzen und mit den Eigelben und 30g Zucker verrühren. Die Schote bitte nicht wegwerfen! Die könnt ihr prima für selbstgemachten Vanillezucker verwenden. Die Sahnemilch vom Herd nehmen, kurz stehen lassen und dann die Ei-Zucker-Mischung mit einem Schneebesen einrühren. Die Masse durch ein feines Sieb in den vorgebackenen Böden verteilen. Die Tartelettes auf der mittleren Schiene in etwa 45 Minuten stocken lassen. Je nach Ofen kann das, wie bei mir, auch etwas länger dauern.

5. Wenn sie fertig sind, die Tartelettes komplett auskühlen lassen und dann vorsichtig aus den Förmchen lösen. Ideal ist, wenn eure Förmchen einen Hebeboden haben, dann geht das am einfachsten. Vor dem Servieren etwas Zucker – das klappt das auch mit dem Getreidezucker – dünn auf jedes Tartelette streuen und mit einem kleinen Bunsenbrenner goldgeld ankaramellisieren lassen. Alternativ kann das auch der Backofengrill in 1-2 Minuten erledigen.

Tipp: Wenn die Törtchen doch mal etwas länger stehen und die Karamellschicht weich wird, könnt ihr diese ganz einfach wieder mit dem Bunsenbrenner oder unter dem Backofengrill knusprig machen.

Es ist viel Text heute, aber ich hoffe euch schreckt das nicht ab, denn mit ein paar Kniffen und ein bisschen Zeit habt ihr wirklich fabelhafte kleine Tartes auf dem Tisch, an denen kein Creme Brulee Liebhaber – mich zähle ich da unbedingt dazu – vorbeikommt. Das ist eines der Desserts, die ich IMMER essen kann auch wenn ich noch so satt bin. Creme Brulee ohne mich? Keine Chance!

Da allmählich auch die Beerensaison startet, könnt ihr die Tartelettes auch üppig damit dekorieren. Das sieht sehr hübsch aus und so wird es sie auch bei mir am Wochenende wieder geben, vielleicht auch mit einem Klecks selbstgemachtem Rhabarberkompott. Quote: da ich flach liege, wird es für mich wohl doch keine Beerentörtchen Sause geben…

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Nun geleite ich euch aber schnurstracks weiter zum Wanderbuch-Beitrag von Sandra von Stadt Land Food, an sie habe ich das Buch weitergeschickt und sie hat einen super saftig ausschauenden Rüblikuchen aus dem Buch für euch gebacken. Wundert euch bitte nicht wegen den durcheinandergewürfelten Beitragsdaten, ich bin tatsächlich aus Zeitmangel etwas spät dran mit meinem Beitrag. *hust*

Jetzt wünsche ich euch noch einen grandios sonnigen Tag, ein zauberhaftes Wochenende und viel Spaß beim Backen!

Eure Sonja

P.S. In Kürze gibt es ganz besondere Neuigkeiten für alle Stuttgarter. Ihr dürft gespannt sein!

Küchensoundtrack: Peter Doherty – Arcady

Fructosearme Kumquat Financiers mit schwarzem Sesam und Hanfmehl

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Backen / Fructosedingens
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Als Fructose Intoleranzler hat man weitestgehend nicht viel zu lachen da draußen. Wo andere sich fröhlich in Cafés tummeln (können), munter Eis essen und eine Kuchenauswahl genießen (können), von der wir nur träumen (können), gibt es für uns auf dem Café-Kuchen-Markt da draußen: gähnende Leere und davon sogar reichlich. Nüscht, außer im besten Falle schnurztrockene Kekse, die einem reibeisenmäßig die Speiseröhre runterrattern. Aber die gibt es auch nicht in Cafés, die tragen wir uns unseren Taschen mit uns herum. Bitte. Danke.

So ganz verstehe ich das ja nicht, denn es gibt doch mittlerweile eine ganze Handvoll unglaublich toller Blogs, die beweisen, dass es eben doch mehr gibt als das, was man uns an geschmacksneutraler Pappe zu teuren Preisen verkaufen möchte. Dass es eben doch bunter, geschmacksintensiver geht und dass “normale” Rezepte nicht so unglaublich schwer in eine für uns verträgliche Form abzuwandeln sind. Es ist möglich, wie ihr seht, auch wenn man dafür eine Handvoll Geduld, eine Prise Neugierde und mehrere Messerspitzen Experimentierfreude braucht.

Als Betroffener – das klingt immer so furchtbar – kann man aber meiner Meinung nach durchaus auch mal auf die Kacke hauen und das nicht zu knapp. Denn wir mögen zwar nicht konsequenzenlos mit tonnenweise Ananas, Äpfeln und Birnen um uns werfen können, aber wir können trotzdem richtig geile Kuchen backen. Solche, auf die dann nämlich auch mal andere neidisch sein und sabbernd rüberschielen dürfen. Jawohl, ja! Deshalb gibt es heute: Financiers mit lauter abgefahrenen, gesunden und tollen Zutaten. So!

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Habt ihr schonmal mit Hanfmehl gebacken? Nein? Da seid ihr nicht allein. Ich habe das jetzt auch zum ersten Mal gemacht, doch meine Begeisterung für dieses feine Mehl ist nachhaltig. Ich benutze es derzeit sehr gerne in meinem allmorgendlichen Joghurt oder pimpe mit einem Teelöffel davon meine Overnight-Dinkelflocken. Dazu dann noch etwas Vanille und/oder geschälte Hanfsamen und der Tag kann kommen.

Das Mehl hat – logischerweise – eine dunkelgrüne, sehr interessante Farbe und schmeckt leicht nussig. Zudem ist Hanfmehl sehr gesund, es enthält viele Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe und gibt ebenfalls eine tolle pflanzliche Eiweißquelle ab.

Seid ihr überzeugt? Dann versucht euch doch mal daran, noch gibt es Zitrusfrüchte und sie sind so ein hübscher, ungewöhnlicher Farbtupfer auf der Kaffeetafel. Wenn ihr euch mit dem Hanfmehl nicht anfreunden mögt, dann ersetzt es einfach mit mehr Dinkelmehl oder was immer euch an Mehl beliebt.

Zutaten für 12 Küchlein:

50g schwarzer Sesam

40g gemahlene Mandeln

50g Dinkelmehl

40g Hanfmehl

1 Prise Salz

170g Butter

1 Vanilleschote

3 Kardamomkapseln

90g Sukrin Gold (oder Getreidezucker) + etwas mehr zum drüber streuen

1 TL Backpulver

5 Eiweiß (L)

100-150g Kumquats

Funktioniert so:

1. Ein Muffinblech mit Papierförmchen auslegen. Vanilleschote halbieren, Vanillemark auskratzen und mit der Butter in einem kleinen Topf auf mittlerer Flamme erhitzen bis sie schäumt und eine goldene Farbe bekommt. Das dauert 5-10 Minuten. Währenddessen den schwarzen Sesam gut im Mörser bearbeiten; wer mag kann ihn für ein intensiveres Aroma vorher noch kurz in einer Pfanne anrösten. Die Vanillebutter abkühlen lassen und die Vanilleschote entfernen.

2. Die Kumquats heiß waschen und mit einem scharfen Messer in Scheiben schneiden, dabei mögliche Kerne sofort entfernen. Für jedes Küchlein solltet ihr 4-6 Scheiben haben. Die Kardamomkapseln aufbrechen und die Samen ebenfalls kurz im Mörser bearbeiten, das gibt ein schöneres Aroma.

3. Die trockenen Zutaten in einer Rührschüssel gut vermischen. Die (ungeschlagenen!) Eiweiße mit einem Handmixer sehr gut unterarbeiten bis ihr einen geschmeidigen, glänzenden Teig habt. Zuletzt die geschmolzene Vanillebutter zugeben und unterarbeiten bis sie sich gut mit dem Teig verbunden hat.

4. Den Teig auf die Muffinförmchen verteilen und darauf achten, dass ihr sie höchstens zu 2/3 füllt. Auf jedes Küchlein 4-6 Kumquatscheiben geben und leicht andrücken, die Scheibchen mit Sukrin oder Getreidezucker bestreuen, damit sie beim Backen nicht austrocknen, und über jedes noch ein paar schwarze Sesamsamen geben.

5. Die Financiers ca. 35 Minuten auf mittlerer Schiene backen und anhand der Stäbchenprobe prüfen ob kein Teig mehr daran haften bleibt. Anschließend aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

Die Schritte und relativ vielen einzelnen Zutaten hören sich zunächst viel an, aber diese Financiers sind wirklich nicht schwer zu machen und machen dafür aber viel her. Zudem sind sie so lecker, dass es niemals bei nur einem bleiben wird, das verspreche ich! Mein Freund konnte die Finger jedenfalls genauso wenig von ihnen lassen wie ich und das will schon etwas heißen.

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Was ich an dieser Stelle unbedingt noch loswerden wollte, ist folgendes: habt mehr Mut zu weißen, schnurz piep normalen Backförmchen! Ich weiß, ihr besitzt mindestens genauso viele verschiedene, unter anderem von euch selbst unter Artenschutz gestellte Spezies davon wie ich – so an die 358435.000? – in euren Schränken.

In rot, grün, lila, weiß mit Pünktchen, rosa mit Pünktchen, Streifen, Zwergen, Hasen, Sternchen, Kuhflecken, Zebrastreifen, Herzchen in rot, schwarz und rosa, mit Gesicht, ohne Gesicht, mit Katzen, ohne Katzen, Blümchen, in und ohne Metallic-Optik, mit Karos, Äpfeln, Dinosauriern, Bordüren, Vögelchen, Blümchen und sonstigem Kram. ABER manchmal darf es auch einfach eine stinknormale weiße Papierform sein. Ohne nix drauf. Sieht doch schön aus, nicht? Geht auch ganz einfach und tut nicht weh. Versprochen. Es wird auch niemand deshalb diskriminiert, hoffe ich?

Also ab an die Sesamvorräte und genießt diese herrlichen, fructosearmen, ungewöhnlichen Küchlein. Am besten direkt in der Sonne bei einem Tässchen Tee und in guter Gesellschaft. Das Rezept für die ursprünglich nicht fructosearmen Financiers stammt im Original von The Bojon Gourmet und findet ihr hier.

Falls ihr die also ganz normal, ohne Hanfmehl, Kardamom und Co. haben wollt, springt am besten dort rüber. Hier wird dann demnächst wieder mit schwarzem Sesam und sogar mit Sepiatinte gebacken, habt ihr das schonmal probiert? Ich bin sehr gespannt und ihr dürft das auch sein.

Bis zum nächsten Mal, habt es fein und haut rein,

eure Sonja

Küchensoundtrack: Portishead – Mysterons